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T- Temperamente

*Gastbeitrag* von Kathrin Borghoff

TermperamentVOLL, das ist eines der Adjektive, die mein kleines Kind häufig zugeschrieben bekommt. Das ist die beschönigte Version der Menschen um uns herum und sie steht eigentlich stellvertretend für „laut“, „wild“, „mutig“ oder was auch immer. „Der Kleine ist aber ganz schön temperamentvoll“, sagen sie mit einem verhaltenen Grinsen auf den Lippen und den Rest kann ich mir denken.
Mein großes Kind hingegen versteckt sich während solcher Gespräche gern hinter mir. Ihm wird das Wort nicht angedichtet. Viel eher nennen ihn die Leute schüchtern, zurückhaltend oder sonstwas. Aber ich sage euch: Auch er ist VOLLER Temperament. Halt nur mit einem ganz anderen, als sein Bruder.

Aus psychologischer Sicht ist das Temperament eines Menschen danach zu definieren, wie empfänglich er für ein bestimmtes Gefühl ist. Es könnte eingeteilt werden, wie ein Mensch in bestimmten Situationen reagiert: schüchterne Kinder reagieren in Angst, mutige Kinder in Freude oder Wut. So einfach soll es sein?
Nein, ich glaube nicht.

Was die Temperamente unserer Kinder angeht, haben wir schlicht irgendwann versucht, Schubladen oder Kategorien zu entwickeln, in die wir ihr Verhalten einsortieren können. Aber dabei ist allerhöchste Vorsicht geboten: denn allein am Temperament (also nochmal: der Tendenz / Empfänglichkeit für ein Gefühl oder ein Verhalten) können wir doch keine Menschen bewerten. Kinder kriegen dadurch nicht allzu selten Rollen zugeschrieben, die ihnen, wenn man nicht aufpasst, überhaupt gar nicht passen! Mein „schüchternes“, introvertiertes Kind spielt gern den Superhelden und sein erklärtes Ziel ist es, die Welt zu retten. Mein „temperamentvolles“ Kind liebt Musik und fängt bei Filmen regelmäßig an zu weinen. Also wo bitte ist da die Schublade?

Das Temperament eines Kindes ist vielfältig. Es ist bunt und ☝🏻 es entwickelt sich. Unsere Kinder lernen im Laufe ihres Lebens so viel, wachsen über sich hinaus und lernen ihre Grenzen kennen. Und was sich einmal zeigt, das muss ganz sicher nicht für das ganze Leben gelten. Menschen entwickeln sich. Meistens vor allem aus ihren Schubladen HERAUS

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